Kartäuserkloster in Österreich: die Klosteranlage der Kartause Gaming besichtigen

Wer ein Kartäuserkloster in Österreich besichtigen möchte, landet schnell im Mostviertel. Die Kartause Gaming ist eine der größten erhaltenen Anlagen dieses Ordens im Land: 1332 wurde der Grundstein gelegt, 1782 wurde das Kloster aufgelöst, und was heute offensteht, ist in langer Arbeit wiederhergestellt worden. Kirche, Refektorium, Bibliothek, Kreuzgang und die Höfe sehen Sie im Rahmen einer Führung. Und weil in denselben Mauern ein Hotel, ein Restaurant und eine Brauerei arbeiten, muss ein Besuch nicht nach einer Stunde zu Ende sein. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, was in der Anlage zu sehen ist, wie Sie hineinkommen und was sich daran anschließen lässt.
Was ein Kartäuserkloster in Österreich von anderen Klöstern unterscheidet
Die Kartäuser sind der stillste der großen Orden. Gegründet hat ihn der Heilige Bruno von Köln, 1084 in Frankreich. Anders als Benediktiner oder Zisterzienser leben Kartäusermönche nicht in einem gemeinsamen Schlafsaal, sondern jeder für sich: Jeder Mönch hat sein eigenes kleines Haus mit Werkraum, Gebetsraum und Garten, und man trifft sich nur zu bestimmten Gebetszeiten und an einzelnen Tagen bei Tisch.
Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern der Bauplan. Die Kartause Gaming war für einen Konvent von 24 Mönchen samt Prior angelegt, mit einzelnen Zellenhäusern. Wer heute durch die Anlage geht, versteht die Weitläufigkeit erst, wenn er das weiß: Hier mussten nicht 24 Mönche untergebracht werden, sondern 24 kleine Einsiedeleien. Wenn Sie den Orden und den Begriff genauer nachlesen wollen, haben wir das in einem eigenen Beitrag getan: Was ist eine Kartause?
Warum ein Herzog mitten im Mostviertel ein Kloster stiftete
Am Anfang steht ein Gelübde. Unmittelbar vor der Entscheidungsschlacht bei Mühldorf 1322 legten Albrecht II. und sein Bruder Leopold ein Versprechen ab, ein Kloster zu stiften. Der Legende nach war der Beweggrund die Befreiung Friedrichs des Schönen aus seiner Gefangenschaft in Trausnitz.
Leopold wollte das Kloster ursprünglich in der Pfarre Malters bei Luzern errichten lassen. Nach seinem Tod 1326 fiel die Ausführung an Albrecht — und der entschied sich für Gaming. Das Kloster erhielt den Namen Marienthron, lateinisch Thronus Sancte Marie. Den unmittelbaren Anlass dürften die plötzliche schwere Erkrankung des Herzogs im März und der Tod Friedrichs des Schönen im Jänner desselben Jahres gegeben haben.
Danach ging es zügig weiter: Grundsteinlegung am 13. August 1332, Aufnahme in den Ordensverband 1337 — zu diesem Zeitpunkt muss also bereits ein Klosterleben möglich gewesen sein. 1340 wurde der Kapitelsaal geweiht, am 13. Oktober 1342 die Klosterkirche feierlich eingeweiht.
Die Kartausenkirche und die Grablege Albrechts II.
Die Kartausenkirche ist gotisch erbaut worden. Unter Prälat Johannes VIII. wurde später ein spätgotisches Gewölbe eingezogen. Der Dachreiter stammt aus dem 14. Jahrhundert, und an ihm hängt eine Geschichte, die in Gaming jeder Gast gern hört: Dieselbe Baumeisterschule um Peter Parler aus Prag hat erst den Kartausendachreiter und danach den Wiener Stephansdom errichtet.
Innen zeigen die barocken Deckenfresken Szenen aus dem Leben des Ordensgründers, des Heiligen Bruno von Köln. Die Fresken im Altarraum sind erst in jüngerer Zeit freigelegt worden und zeigen die göttlichen Tugenden — ein Teil der Kirche, der jahrhundertelang unter Putz lag.
Der historisch schwerste Punkt der Kirche ist die Grablege. Hier liegen Albrecht II., Herzog von Österreich und Mitbegründer Österreichs und Wiens als Residenz, seine Gattin Johanna von Pfirt und die Schwiegertochter Elisabeth von Böhmen. Die Grablege stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde 1985 wiederhergestellt. Wenn Sie vor ihr stehen, stehen Sie an einem der ältesten Habsburgergräber des Landes.
Gotisches Refektorium und Herz-Jesu-Kapelle
Das gotische Refektorium — der Speisesaal der Mönche — hat ein original gotisches Kreuzrippengewölbe mit Schlussstein aus dem 14. Jahrhundert. Interessant ist hier der direkte Vergleich: Der zweite Gewölbeteil wurde aus Kunststein errichtet. Man sieht mit freiem Auge, wo das Original endet und die Ergänzung beginnt, und genau das macht den Raum zu einem guten Anschauungsstück für alles, was in dieser Anlage über die Jahrhunderte passiert ist.
Der ehemalige Kapitelsaal der Kartäuser hat eine bewegtere Geschichte hinter sich: Nach der Klosterauflösung wurde er zu einer Durchfahrt geöffnet und später wieder geschlossen. Heute heißt der Andachtsraum Herz-Jesu-Kapelle, und hier findet die ewige Anbetung statt. Von allen Räumen der Anlage ist das jener, in dem am meisten vom ursprünglichen Zweck des Hauses übrig geblieben ist.
Die Bibliothek: ein Deckenfresko von 1723
Die Bibliothek ist für viele Gäste der überraschendste Raum, weil die Bücher fehlen. Die 20.000 Bände wurden nach der Klosterauflösung nach Wien in die Nationalbibliothek gebracht. Angekommen sind dort aber nur 200 Stück.
Geblieben ist die Decke. 1723 hat Wenzel Lorenz Reiner aus Prag die Deckenfresken gemalt, und sie sind ein ganzes Bildungsprogramm: Die Kuppel zeigt die sieben freien Künste — Geometrie, Arithmetik, Geografie, Astronomie, Musik, Dialektik und Rhetorik — dazu die bildenden Künste Architektur, Bildhauerei und Malerei. In den Kuppelzwickeln sitzen die vier Charaktere: cholerisch, melancholisch, sanguinisch und phlegmatisch. Teile dieser Bilder schauen tatsächlich aus den Fresken heraus. Östlich finden Sie die vier Kirchenväter Augustinus, Gregor, Ambrosius und Hieronymus, westlich die vier Evangelisten Lukas, Matthäus, Markus und Johannes.
Ein Detail, das Führungsgäste immer amüsiert: Die Windrose funktioniert nicht mehr, weil die Verbindung zum Wetterhahn nicht mehr besteht. Genutzt wird der Raum heute als Konzert- und Vortragssaal.
Kreuzgang, Museum und Prälatensaal
Der gotische Kreuzgang wurde nach der Klosterauflösung 1782 abgerissen. Bei den Renovierungsarbeiten entstand an seiner Stelle eine neue Holzkonstruktion, die verglast wurde. Daraus ist der heutige Charakter des Innenhofs entstanden: helle, verglaste Holzarkadengänge statt eines steinernen Kreuzgangs.
Seit März 2004 sind in diesen Arkadengängen die Museumsräumlichkeiten der Kartause Gaming untergebracht. Gezeigt wird die Geschichte des Klosters, das Leben der Kartäusermönche und die allgemeine Lage Österreichs zur Zeit der Gründung der Anlage. Für Gäste, die zuerst den Überblick wollen und dann die Räume sehen, ist das der richtige Anfang.
Der Prälatensaal diente als Sitzungssaal. Seinen Namen verdankt er der Erhebung der Prioren in den Prälatenstand am 17. Juli 1670 durch Kaiser Leopold I. Heute wird er genutzt — für Seminare und für Veranstaltungen. Das ist der Punkt, an dem die Anlage aufhört, ein Denkmal zu sein: In Gaming werden die historischen Räume benutzt, nicht abgesperrt.
So kommen Sie in die Anlage hinein
Reguläre Führungen durch die Kartause Gaming finden von 1. Juni bis 30. September statt, von Montag bis Freitag und am Sonntag um 11.00 Uhr. Samstags gibt es keine Führungen. Eine Anmeldung ist für diese regulären Termine nicht nötig, Treffpunkt ist die Hotelrezeption.
Im Rahmen einer Führung können alle Höfe und die wichtigsten Räumlichkeiten besichtigt werden — also genau jene Räume, die oben beschrieben sind. Wer außerhalb der Saison oder zu einer anderen Tageszeit kommt, ist nicht ausgeschlossen: Gruppenführungen sind auch außerhalb dieser Zeiten gegen Voranmeldung möglich. Für Reiseveranstalter, Busunternehmen und Vereine ist das der übliche Weg.
Alles Weitere — etwa wie lange eine Führung dauert oder was sie kostet — klären Sie am besten direkt mit der Rezeption. Wir schreiben hier bewusst keine Zahlen hin, die sich ändern können.
Nach der Führung: Kartausenkeller, Bier und Nächtigung
Ein Klosterbesuch, der mit dem Rückweg zum Parkplatz endet, verschenkt die Hälfte. Direkt im Haus liegt der Kartausenkeller: das gemütliche Johannastüberl, der helle Wintergarten und im Sommer der große Gastgarten. Von Kaffee mit hausgemachten Mehlspeisen bis zu bodenständigen Schmankerln ist das die naheliegende Fortsetzung einer Führung.
Dazu kommt etwas, das kein anderes Kartäuserkloster in Österreich zu bieten hat: eine eigene Brauerei im Haus. Das Gaminger Kartausenbräu wird seit 2008 gebraut, Braumeister ist Sebastian Dorrer, die neue Brauerei ging 2019 in Betrieb, und die Biere reifen mindestens vier Wochen. Wer tiefer einsteigen will, geht den GeBIERgsweg mit 18 Stationen: die Seidel-Runde über rund 3 Kilometer in etwa einer Stunde mit den Stationen 1 bis 7 zu den Inhaltsstoffen des Bieres, und die Krügerl-Runde über rund 6 Kilometer in etwa zwei Stunden mit den Stationen 8 bis 18 zum Brauprozess. Gaming nennt sich nicht ohne Grund GeBIERgsdorf.
Und wenn aus dem Ausflug ein Wochenende werden soll, nächtigen Sie gleich in der Anlage. Zimmer und Appartements finden Sie auf unserer Seite zum Hotel. Was es rundherum noch zu sehen gibt, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengetragen: Sehenswürdigkeiten in Gaming.
Häufige Fragen zur Besichtigung
Kann man die Kartause Gaming besichtigen?
Ja. Die Anlage wird im Rahmen von Führungen gezeigt, bei denen alle Höfe und die wichtigsten Räumlichkeiten zu sehen sind. Treffpunkt ist die Hotelrezeption.
Wann finden die Führungen statt?
Reguläre Führungen gibt es von 1. Juni bis 30. September, Montag bis Freitag und Sonntag um 11.00 Uhr. Samstags finden keine Führungen statt. Für diese Termine brauchen Sie keine Anmeldung.
Und wenn wir als Gruppe zu einer anderen Zeit kommen?
Gruppenführungen sind auch außerhalb dieser Zeiten gegen Voranmeldung möglich. Setzen Sie sich dazu bitte vorher mit uns in Verbindung, damit der Termin fix ist, bevor der Bus losfährt.
Ist die Kartause Gaming noch ein Kloster?
Nein. Das Kloster wurde 1782 aufgelöst. Geistlich genutzt wird heute die Herz-Jesu-Kapelle im ehemaligen Kapitelsaal, in der die ewige Anbetung stattfindet. Die übrigen Räume beherbergen Hotel, Restaurant, Museum, Brauerei sowie Seminar- und Veranstaltungsräume.
Was ist im Museum zu sehen?
Das Museum befindet sich seit März 2004 in den verglasten Holzarkadengängen und erzählt die Geschichte des Klosters, das Leben der Kartäusermönche und die allgemeine Lage Österreichs zur Zeit der Gründung der Anlage.
Kann man in der Kartause auch nächtigen?
Ja, im Haus gibt es Zimmer und Appartements. Für einen Besuch, der die Führung, den Kartausenkeller und einen Spaziergang am GeBIERgsweg verbinden soll, ist eine Nächtigung vor Ort die bequemere Lösung.
Fazit
Ein Kartäuserkloster in Österreich zu besichtigen heißt in Gaming: eine gotische Kirche mit der Grablege Albrechts II., ein Refektorium, in dem Original und Ergänzung nebeneinanderstehen, ein Deckenfresko von 1723 über einer Bibliothek ohne Bücher, verglaste Arkadengänge mit Museum — und dazu ein Haus, das diese Räume weiter benutzt. Von 1. Juni bis 30. September kommen Sie ohne Anmeldung mit, Montag bis Freitag und Sonntag um 11.00 Uhr. Gruppen melden sich vorher, dann geht es auch außerhalb der Saison. Und wer nach der Führung sitzen bleibt, merkt erst, wie viel in diesen Mauern noch los ist.