Was ist eine Kartause? Kartäuserkloster, Stille und die Kartause Gaming heute

Was ist eine Kartause? Kurz gesagt: das Kloster eines Ordens, der für ein Leben in Stille und Abgeschiedenheit gebaut hat. Wer den Begriff zum ersten Mal liest, denkt an ein Stift wie jedes andere. Tatsächlich unterscheidet sich eine Kartause in Bauweise und Alltag deutlich von einer Abtei. In Gaming im Mostviertel steht eine der größten und besterhaltenen Anlagen dieser Art nördlich der Alpen. Hier lesen Sie, was den Orden ausmacht, wie so ein Kloster aufgebaut ist, was in Gaming seit 1332 geschehen ist und was heute in diesen Mauern stattfindet.
Was ist eine Kartause? Die kurze Antwort
Eine Kartause ist das Kloster der Kartäuser. Die Mönche dieses Ordens leben als Einsiedler in Gemeinschaft: Jeder bewohnt ein eigenes kleines Haus mit Garten, die sogenannte Zelle, und diese Zellen liegen rund um einen großen Kreuzgang. Gebetet, gegessen und gearbeitet wird überwiegend allein. Nur zu bestimmten Gebetszeiten und an wenigen Tagen im Jahr kommt der Konvent zusammen.
Das Wort selbst stammt aus den französischen Alpen. Dort liegt die Grande Chartreuse, das Mutterkloster des Ordens. Aus Chartreuse wurde im Deutschen die Kartause, im Italienischen die Certosa und im Englischen die Charterhouse. Wer also vor dem Tor in Gaming steht, steht vor einem Haus, dessen Name auf ein Tal in Frankreich zurückgeht.
Der Orden: 1084 vom Heiligen Bruno von Köln gegründet
Gegründet hat den Orden der Heilige Bruno von Köln, und zwar 1084 in Frankreich. Sein Ideal war radikal: keine großen Predigtreisen, keine Schulen, keine Politik, sondern Rückzug, Handarbeit und Gebet. Genau daraus entstand die eigene Bauform, die eine Kartause bis heute erkennbar macht.
In der Kartausenkirche in Gaming ist Bruno bis heute gegenwärtig. Die barocken Deckenfresken zeigen Szenen aus dem Leben des Ordensgründers. Die Fresken im Altarraum wurden erst vor wenigen Jahren freigelegt und stellen die göttlichen Tugenden dar.
Wie eine Kartause gebaut ist
Der Grundriss folgt dem Ordensleben. Im Mittelpunkt steht der große Kreuzgang, an dem die Einzelhäuser der Mönche aufgereiht sind. Dazu kommen die Kirche, der Kapitelsaal für die Versammlungen des Konvents und das Refektorium, der gemeinsame Speisesaal. Eine Kartause braucht deshalb von Anfang an viel mehr Fläche als ein Kloster, in dem alle im selben Trakt schlafen.
Gaming ist auch in dieser Hinsicht eine Besonderheit. Üblich war ein Konvent von zwölf Mönchen. Gaming wurde von vornherein auf die doppelte Größe angelegt: 24 Mönche mit einem Prior und dementsprechend vielen Einzelhäusern. Das erklärt die Ausdehnung der Anlage, die heute noch jeden Besucher überrascht.
Die Kartause Gaming entstand aus einem Gelübde
Am Anfang stand ein Versprechen. Herzog Albrecht II. hatte gemeinsam mit seinem Bruder Leopold unmittelbar vor der Entscheidungsschlacht bei Mühldorf im Jahr 1322 ein Gelübde abgelegt. Der Legende nach ging es um die Befreiung Friedrichs des Schönen aus seiner Gefangenschaft in Trausnitz. Leopold wollte das Kloster ursprünglich in der Pfarre Malters bei Luzern stiften. Nach seinem Tod fiel die Ausführung an Albrecht, und der entschied sich für Gaming.
Den unmittelbaren Anlass gaben eine schwere Erkrankung des Herzogs und der Tod Friedrichs des Schönen im Jänner desselben Jahres. Dass die Wahl auf die Kartäuser fiel, hatte einen Namen: Gottfried, Prior der Kartause Mauerbach bei Wien und enger Vertrauter der Herzoge. Mönche aus Mauerbach sollten die neue Gründung besiedeln.
Das Kloster erhielt den Namen Marienthron, lateinisch Thronus Sancte Marie. Am 13. August 1332 legte der Herzog persönlich den Grundstein. Die Arbeiten gingen zügig voran: 1337 wurde das Kloster auf dem Generalkapitel der Kartäuser in den Ordensverband aufgenommen, 1340 der Kapitelsaal geweiht, und am 13. Oktober 1342 fand die feierliche Einweihung der Klosterkirche statt.
Albrecht II. blieb dem Haus bis über den Tod hinaus verbunden. In der Kirche befindet sich seine Grablege, gemeinsam mit jener seiner Gattin Johanna von Pfirt und der Schwiegertochter Elisabeth von Böhmen. Sie stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde 1985 wiederhergestellt. Die Namen begegnen Ihnen im Haus übrigens bis heute wieder, denn die Hotelgebäude tragen sie.
1782: die Auflösung und was danach geschah
Nach 450 Jahren war Schluss. 1782 wurde das Kloster im Zuge der josephinischen Klosteraufhebungen aufgelöst, und die Anlage verlor ihre Bestimmung. Die Folgen sieht man der Bausubstanz bis heute an: Der gotische Kreuzgang wurde abgerissen, der ehemalige Kapitelsaal zu einer Durchfahrt geöffnet und erst später wieder geschlossen. Heute ist dieser Raum als Herz-Jesu-Kapelle der Andachtsraum des Hauses.
Was blieb, war eine riesige Anlage ohne Nutzung. Zwei Jahrhunderte Wechsel von Besitzern und Zwischennutzungen setzten den Dächern, Fassaden und Gewölben zu. In den frühen 1980er-Jahren stand die Kartause Gaming kurz vor dem Verfall.
Die Rettung ab 1984
1984 begannen die Renovierungsarbeiten an der fast verfallenen Anlage, und zwar dort, wo es am dringendsten war: Sicherung aller Zugänge, insbesondere der Arkadengänge, Rettung der Dachstühle, Restaurierung des Prälatensaales und der Museumsräume.
- 1985 begann die Kirchenrestaurierung. Die Kirche wurde durch konstruktive Sicherung und Dachsanierung vor dem Einsturz bewahrt. Der steinerne Wendeltreppenturm war eingefallen, die insgesamt 120 Sandsteinstufen mussten neu hergestellt werden. Auch sämtliche Kirchenfenster wurden erneuert, rund 300 Isolier-Doppelfensterelemente entstanden neu.
- 1987 wurde der Dachreiter aus dem 14. Jahrhundert restauriert.
- 1988 waren Kirchenfassade und Fenster fertig. Im selben Jahr begann die Trockenlegung von rund einem Kilometer Erdgeschossräume, damit sie wieder bewohnbar wurden.
- 1989 folgten Bibliothekshof, Arkaden, Fassaden, Dächer, Fenster und Steinteile.
Erst diese Jahre haben aus einer Ruine wieder ein Haus gemacht, das Gäste aufnehmen kann. Wer heute im Innenhof steht, sieht das Ergebnis von Jahrzehnten Handwerksarbeit.
Was Sie heute bei einer Führung sehen
Die Kartause Gaming lässt sich nicht nur von außen betrachten. Reguläre Führungen finden von 1. Juni bis 30. September statt, von Montag bis Freitag und am Sonntag jeweils um 11.00 Uhr. Samstags gibt es keine Führungen. Eine Anmeldung ist nicht nötig, Treffpunkt ist die Hotelrezeption. Gruppenführungen sind auch außerhalb dieser Zeiten möglich, dafür braucht es eine Voranmeldung.
Besichtigt werden alle Höfe und die wichtigsten Räume:
- Kartausenkirche: gotisch erbaut, mit spätgotischem Gewölbe und dem Dachreiter aus dem 14. Jahrhundert. Dieselbe Baumeisterschule Peter Parler aus Prag hat erst diesen Dachreiter und danach den Wiener Stephansdom errichtet.
- Grablege Albrechts II.: Herzog von Österreich und Mitbegründer Wiens als Residenz, bestattet gemeinsam mit Johanna von Pfirt und Elisabeth von Böhmen.
- Gotisches Refektorium: mit original gotischem Kreuzrippengewölbe und Schlussstein aus dem 14. Jahrhundert.
- Kreuzgang und Museum: Seit März 2004 sind in den verglasten Holzarkadengängen die Museumsräume untergebracht.
- Prälatensaal: Seinen Namen verdankt der Raum der Erhebung der Prioren in den Prälatenstand am 17. Juli 1670 durch Kaiser Leopold I.
Planen Sie ruhig Zeit ein. Die Anlage ist groß, und im Sommer ist der Unterschied zwischen den kühlen Gewölben und dem Innenhof allein schon einen Nachmittag wert.
Nächtigen, essen und tagen in der Kartause Gaming
Die zweite Frage kommt fast immer gleich nach der ersten: Kann man in so einem Haus auch schlafen? In Gaming ja. Im Hotel Kartause Gaming liegen die Vier-Stern-Zimmer in den Häusern Johanna und Albrecht, einfacher ausgestattete Einzel- und Doppelzimmer im Haus Elisabeth und Franziskus. Das reichhaltige Frühstück ist bei allen Zimmern dabei.
Gegessen wird im Kartausenkeller. Sie haben die Wahl zwischen dem gemütlichen Johannastüberl, dem hellen Wintergarten, dem urigen Gwölb und im Sommer dem großen Gastgarten. Das Wochenmenü und die monatlichen Schwerpunkte sorgen für Abwechslung, von der Mehlspeise zum Kaffee über bodenständige Schmankerl bis zu leichten Gerichten.
Dazu kommt etwas, das es in dieser Form in kaum einem historischen Gemäuer gibt: eine eigene Brauerei im Haus. Das Gaminger Kartausenbräu wird seit 2008 gebraut, seit 2019 in der neuen Brauerei. Braumeister ist Sebastian Dorrer, und die Biere reifen mindestens vier Wochen, bevor sie ins Glas kommen.
Firmen nutzen die historischen Räume als Seminarort, etwa den Prälatensaal, der seit der Restaurierung wieder für Tagungen und Veranstaltungen zur Verfügung steht. Und im Jahreslauf hat das Haus seine fixen Termine: Der Adventmarkt Flammende Kartausenweihnacht ist für 28. November bis 8. Dezember 2026 angesetzt, im Frühjahr folgen das Krimi Dinner am 20. Februar 2027 und das Magic-Comedy Dinner mit Tricky Niki am 6. März 2027.
Häufige Fragen
Was ist eine Kartause, und was unterscheidet sie von einem Stift?
Eine Kartause ist ein Kloster der Kartäuser. Der Unterschied liegt im Alltag und damit im Grundriss: Kartäuser leben als Einsiedler in eigenen kleinen Häusern rund um den Kreuzgang, während in einem Stift das gemeinsame Leben im Vordergrund steht. Deshalb ist eine Kartause bei gleicher Mönchszahl deutlich größer.
Woher kommt das Wort Kartause?
Von der Grande Chartreuse, dem Mutterkloster des Ordens in den französischen Alpen. Aus dem Namen dieses Tales wurde im Deutschen Kartause, im Italienischen Certosa.
Wie viele Mönche lebten in der Kartause Gaming?
Die Anlage war für 24 Mönche mit einem Prior ausgelegt, also für doppelt so viele wie in einer Kartause üblich.
Kann man die Kartause Gaming besichtigen?
Ja. Von 1. Juni bis 30. September gibt es von Montag bis Freitag und am Sonntag um 11.00 Uhr Führungen ohne Anmeldung, Treffpunkt ist die Hotelrezeption. Samstags finden keine statt, Gruppen können außerhalb dieser Zeiten eine Führung vereinbaren.
Kann man in der Kartause Gaming übernachten?
Ja, das Haus beherbergt ein Hotel. Für Nächtigungen stehen Zimmer in mehreren Trakten zur Verfügung, vom Vier-Stern-Zimmer bis zum einfach ausgestatteten Doppelzimmer.
Fazit
Was ist eine Kartause? Ein Kloster, das für die Stille gebaut wurde, und in Gaming zugleich ein Stück österreichische Geschichte: gestiftet 1332 aus einem Gelübde, 1782 aufgelöst, ab 1984 Stück für Stück zurückgeholt. Heute sind die Mauern wieder in Verwendung, für Gäste, für Tagungen und für einen Adventmarkt im Innenhof. Wenn Sie die Antwort nicht nur lesen, sondern sehen wollen: Die nächste Führung startet an der Hotelrezeption, und danach ist der Weg in den Kartausenkeller kurz.